Top header

Die Tournee der Anekdoten (eine Auswahl)

Absage? Wir springen trotzdem
2. Tournee 1953/54: Wegen Schneemangels wurde die Tournee am 28.12.53 abgesagt. In Unkenntnis dieses Beschlusses ist die österreichische Mannschaft dennoch nach Oberstdorf angereist und siehe da, mit der Ankunft der Skispringer begann es dort zu schneien. Ja, es gab Schnee in Hülle und Fülle. Skiclub-Funktionäre und vorhandene Skispringer fingen sofort an, die Schanze zu präparieren. Gleichzeitig wurden die Skiverbände telegrafisch verständigt, dass
die Tournee-Wettkämpfe nun doch in vollem Umfang durchgeführt werden. Die Fluggesellschaft SAS verschob den Flug um einen halben Tag, damit die Skispringer aus den nordischen Ländern rechtzeitig anreisen konnten.

Sieg nach durchzechter Nacht
4. Tournee 1955/56: Der finnische Skispringer Silvenoinen durchzechte trotz Verbotes die Silvesternacht vor dem Neujahrs-Skispringen in Partenkirchen. Sein Mannschaftsführer wollte ihn deswegen von der Startliste streichen lassen, gab aber den Bitten der ganzen Mannschaft nach und vertagte die erforderliche Strafe. Der verkaterte Springer bedankte sich für die Amnestie auf seine Weise, indem er das Neujahrs-Skispringen gewann.

Kein Schnee in Bischofshofen
Eine aktuelle Schneearmut kennzeichnet den Beginn der Skisaison 55/56. Während Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck die Kosten für eine Schneezufuhr aus Alpenhochtäler aufbringen konnten, war dies in Bischofshofen nicht möglich, sodass das Springen auf der Zinkenschanze in Hallein stattfand (weitester Sprung 63,5 m).

Windverschleierung in Oberstdorf
Bei den ersten Tournee-Springen stand in Oberstdorf Heini Klopfer, der erfolgreiche Skispringer und Schanzenbauer mit der roten Fahne (Ampel gab es noch nicht) auf dem Schanzentisch und gab jeweils für den Springer den Ablauf frei. Damit man nicht sah, wie stark der Wind wehte, tauchte er die Fahne ins Wasser ein, sodass sie nicht flattern konnte.

Fremdenverkehrsverband
6. Tournee 1957/58: Ein erneuter erheblicher Schneemangel machten den Organisatoren erhebliche Sorgen. In Bischofshofen versuchte man, den Schnee vom Radstädter Tauernpass abzuholen. Das Vorhaben scheiterte am Einspruch des dortigen Fremdenverkehrsverbandes. Die geringen Schneemengen reichten gerade für die Präparierung der neu gebauten Normalschanze aus, wo dann die Konkurrenz abgehalten wurde. Es gewann der damals dominierende Springer Helmut Recknagel (DDR) mit Weiten von 54 und 58,5 m.

Moravetz: Wann kommen die Skispringer?
27. Tournee 1978/79: Durch einen katastrophalen Temperatursturz in der Nacht vom 31.12.78 auf den 01.01.79 war es nicht möglich, die völlig vereiste Schanze in Partenkirchen in eine sprungbereite Anlage aufzubereiten. Der legendäre ZDF-Sportreporter Bruno Moravetz ("Wo ist Behle?") war vier Stunden auf Sendung, ohne einen Sprung erklären zu können. Er überbrückte die Zeit mit zahlreichen Skisprung-Geschichten. Das Springen musste auf den 2. Januar verlegt werden.

Absturz des Funktionärs
37. Tournee 1988/89: Der Technische Delegierte der FIS, Rennleiter am Holmenkollen, Torgeir Nordby (NOR), stürzte in Garmisch-Partenkirchen bei der Vermessung des Schanzentisches von diesem ab und brach sich das Bein. Er wurde im dortigen Krankenhaus operiert. Der Mannschaftsführer der jugoslawischen Mannschaft Alojz Gorjanz sprang als Ersatz ein.

Der erste Tiroler Sieg nach Andreas Hofer
48. Tournee 1999/2000: Zum ersten Mal gewinnt ein Tiroler Skispringer, Andreas Widhölzl am Bergisel. Bis dahin gab es die Frage: Welcher Tiroler hat zuletzt am Bergisel gewonnen? Antwort: Andreas Hofer.

Sven Hannawald schafft den Grand-Slam
50. Tournee 2001/02: Nach 49 Jahren gelingt es erstmals einem Skispringer, nämlich dem Deutschen Sven Hannawald, alle vier Springen während einer Tournee zu gewinnen.

Ein Sieger reicht nicht
54. Tournee 2005/06: Zum ersten Mal gibt es bei der Tournee 2 Gesamtsieger: Janne Ahonnen (FIN) und Jakob Janda (TCH) erreichen beide 1.081.5 Punkte.

Die erste Absage
56. Tournee 2007/08: Wegen eines gewaltigen Föhnsturmes musste das Springen in Innsbruck abgesagt werden. Es wurde am 5. Januar in Bischofshofen nachgeholt. Der Finne Janne Ahonen gewinnt als erster Skispringer zum 5. Mal die Vierschanzentournee.

zusammengestellt von Klaus Taglauer